Karstadt-Pleite: Betriebe übernehmen statt schließen!

Thema– Mehr als 1000 Beschäftigte bei Galeria-Kaufhof und Karstadt in Berlin sind in Folge der Geschäftemacherei durch die Signa Holding, ihres Zeichens umtriebig auf dem Immobilienmarkt, in der aktuellen Krise von Entlassung bedroht.

Auch am Leopoldplatz sollte das Karstadt Warenhaus schließen. Der Berliner Senat entschied sich für einen Deal mit dem Multimilliardär René Benko (Signa Holding) durch eine Zahlung von 45 Millionen Euro um die bedrohten abgewirtschafteten Filialen zu erhalten. Vornehmlich ginge es darum, den «Handelsstandort Berlin» nicht weiter zu schwächen. Laut einem Beitrag des rbb plädiere Ramona Pop (Bündnis 90/Grüne) zusätzlich dafür, die Kaufhäuser moderner und attraktiver zu gestalten. Es müsse mit lokalen Akteuren zusammengearbeitet werden, um mehr «Erlebnis-Charakter» zu schaffen. Doch welche Alternativen bieten sich jenseits von Marktlogik und Verwertungszwang für die Beschäftigten, wenn mitten in der Wirtschaftskrise Arbeitsplätze durch die Geschäftsleitung rationalisiert oder Kurzarbeit verordnet werden?

Ein Interview mit Elmar Wigand, Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht e.V.. Diese organisierte am 20./21. Juni 2020 eine juristisch-politische Fachkonferenz zum Thema: «Worker’s Buy-Out: Betriebe übernehmen statt schließen!».

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Zwangsräumung in die Wohnungslosigkeit

Interview– Kein Ende des Mietenwahnsinn in Sicht.

Daniel, du wurdest im Februar 2020 aus deiner Wohnung zwangsgeräumt. Wie kam es dazu?

Nach 36 Jahren wurde ich aus meiner Mietwohnung in der Transvaalstr. 20 zwangsgeräumt. Seit 2004 waren die Öfen in der Wohnung kaputt, die Wasserstränge zu meiner Wohnung aus Blei und das Wasser dadurch kein Trinkwasser. Auf Anzeige dieser und weiterer Mängel hat der Vermieter D. Zunker nicht reagiert. Daher sah ich mich gezwungen die Miete zu reduzieren, was ich 2005 um 100 Prozent tat. Die Mietminderung wurde vom Eigentümer erst 2017 juristisch angegangen. Mit fragwürdigen Aussagen wurde Ende 2018 dann der Räumungstitel erwirkt. Wegen Falschaussage habe ich eine Strafanzeige gegen Zunker gestellt.

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Widerstand im Wedding – Nazis fiel es lange schwer, im Wedding Fuß zu fassen

Der 1. Mai 1930 in der Kösliner Straße im Wedding

Geschichte– Der 11. Februar 1927 sollte für die NSDAP eine erste Machtdemonstration in der «Reichshauptstadt» werden. Joseph Goebbels hatte sich für eine Kundgebung angekündigt. In den Pharussälen am Leopoldplatz, einem zentralen Versammlungsort der Berliner Arbeiter*innenbewegung, wollten die Faschisten aufmarschieren. Den Weddinger*innen ist es zu verdanken, dass die Veranstaltung letztlich kaum für die Propaganda der Nazis geeignet war. Statt einer Kundgebung und Machtdemonstration mitten im Herzen des Roten Weddings wurde den Faschisten ein proletarischer Platzverweis erteilt. Mit Stuhl- und Tischbeinen bewaffnet lieferten sich die Arbeiter*innen eine Saalschlacht mit der SA. In den umliegenden Straßen wurden Nazis verprügelt. Es sollte für geraume Zeit der letzte öffentliche Auftritt der SA im Wedding sein.
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Apotheken unter Druck

Themen–Immer mehr Apotheken müssen schließen, weil Mieten 
und Billigkonkurrenz die Umsätze auffressen.

Die Apotheke – sie findet sich noch in allen Ecken der Stadt, doch wird das auch in Zukunft so bleiben? Auch bei uns im Gesundbrunnen sind die Auswirkungen des Apothekensterbens langsam sichtbar. Allein 100 Apotheken verlor Berlin in den letzten 10 Jahren schildert Bernhard Doege, Apotheker in der Schinkel-Apotheke am U-Bhf Pankstraße. Ein deutliches Alarmsignal, auch wenn in unserem Bezirk weiterhin eine ausreichende Versorgung sichergestellt ist.

Dass alle 38 Stunden in Deutschland eine Apotheke schließen muss, hat auch ökonomische Aspekte. In den Städten steigen die Mietpreise für Gewerberäume enorm und auf dem Land reichen die gesetzlich festgelegten Honorare, welche von den Krankenkassen pro verkauftem Medikament gezahlt werden, nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Die immensen Einkaufspreise neuer Präparate bringen die Apotheken ebenfalls in Bedrängnis. Denn sie müssen den Preis vorstrecken, auch wenn nur ein vergleichsweise geringer Gewinn dabei herausspringt. Neuerdings spielt die Konkurrenz aus dem Internet eine große Rolle, denn viele Nebenverdienste, wie Kosmetikartikel oder Bonbons werden dort wesentlich günstiger angeboten.

Die sogenannte pharmazeutische Betreuung können solche Internetapotheken allerdings nicht leisten. «Das Wissen, welche Medikamente unsere Stammkunden nehmen und wie sich diese mit anderen Medikamenten vertragen, ist sehr wichtig. Da können wir gut persönlich beraten, um Fehler zu vermeiden.», so Doege und weiter: «Leider werden die handwerklichen Tätigkeiten, wie Salben, Kapseln oder Hustensaft herstellen, heutzutage kaum noch gebraucht. Da hat sich der Schwerpunkt in 40 Jahren Arbeitsleben schon stark verschoben.» Dennoch bleibt die Arbeit in den Kiez-Apotheken eine Herausforderung, denn im Gesundbrunnen mit seinen Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen und mit den verschiedensten Sprachen hat immer irgendwer ein Weh-Wehchen.

Ein Beitrag der Redaktion, erschienen in der Plumpe #3 (September 2019)