7. Ausgabe – Wohnen in der Krise

Seit fast einem Jahr beschäftigt uns die Corona Pandemie, deren soziale wie  wirtschaftliche Folgen noch nicht abschätzbar sind. Wir stellen uns in dieser Ausgabe die Frage, wie sich Corona auf die Wohnsituation von Menschen auswirkt. Denn für viele hat sich diese im vergangenen Jahr zugespitzt. 
Wir sind alle unter dem Label #stayhome dazu aufgerufen, wenn möglich zuhause zu bleiben. Dadurch sind „die eigenen vier Wände“ wichtiger denn je. Es ist lebensnotwendig, ohne Angst wohnen zu können. Aber durch Lockdown hat häusliche Gewalt zugenommen, von der besonders Frauen* betroffen sind.
Zuhause bleiben kann auch nur, wer eines hat. Viele Menschen, auch bei uns im Wedding, haben das leider nicht und müssen in Parks, unter Brücken oder anderen Orten draußen schlafen. Bei uns im Bezirk haben im Oktober 2020 obdachlose Menschen und ihre Unterstützer*innen versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sind in die leerstehenden Wohnungen in der Haabersathstraße 46 eingezogen. Diese Besetzung wurde jedoch schnell durch die Polizei beendet. Die 86 bezugsfertigen Wohnungen stehen also Mitten im Corona-Winter weiterhin leer. Eine Möglichkeit dem zu begegnen wäre die Beschlagnahmung von leerstehenden Wohnungen durch den Bezirk
Gleichzeitig gehen große Wohnungskonzerne wie der schwedische Immobilienriese Heimstaden in Berlin auf Einkaufstour. Sie gehen als große Gewinner aus der Krise hervor und zahlen weiter fleißig Dividenden an ihre Aktionäre aus. Die Mieteinnahmen von bspw. Vonovia sind während Corona sogar um 12% gestiegen. Dem entgegen arbeitet die Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ an einer anderen Lösung der Krise: Sie setzen sich für die Vergesellschaftung dieser Immobilienriesen in Berlin ein, um diese wieder der Kontrolle der Bewohner*innen zu unterstellen.
Wenn ihr uns eure Meinung zur neuen Plumpe schreiben wollt, Exemplare bestellen wollt oder eigene Artikel und Leserbriefe einbringen wollt dann meldet euch gern per Mail unter:
post(at)plumpe.online

Abholen

In den Weddinger Kiezen gibt es einige offizielle Anlaufpunkte um euch euer Exemplar der PLUMPE zu sichern! Hier eine kleine Auflistung:

  • Basta! Die Erwerbsloseninitiative, Schererstr. 8, 13347
  • Café Cralle Frauen*kneipenkollektiv, Hochstädter Straße 10 A
  • EOTO e.V., Togostraße 76, 13351
  • Freie Arbeiterinnen u. Arbeiter-Union, Grüntaler Straße 24, 13357
  • Genossenschaftsprojekt Prinzenallee 58, 13359
  • Demokratie in der Mitte, Osloer Str. 12/2, 13359
  • Kiezhaus Agnes Reinhold, Afrikanische Str. 74, 13351

Jenseits davon findet ihr die aktuelle Ausgabe in dem ein oder anderen Café, Imbiss oder Spätkauf zwischen Amrumer Straße., Leopoldplatz, Nauener Platz, Badstraße und Brunnenviertel wieder, einfach die Augen offen halten! Wir senden euch auch gerne Exemplare zu!

Weisse Taube, rotes Herz

Die evangelikale «Universalkirche» mit Sitz am Leopoldplatz unterstützt die rechtsextreme Bolsonaro-Regierung in Brasilien

Thema – Eine fliegende weiße Taube in einem roten Herzen – das ist das Symbol der «Universalkirche des Königreich Gottes». Manche Passant*innen haben es vielleicht schon auf dem Leopoldplatz gesehen. Hier betreibt die «Universalkirche» seit einigen Jahren ein sogenanntes «Hilfszentrum» in der Neuen Nazarethkirche.

«Universalkirche des Königreich Gottes»

Die «Universalkirche des Königreich Gottes» (Igreja Universal do Reino de Deu, IUDR) ist eine ursprünglich aus Brasilien stammende, weltweit aktive evangelikale Sekte. Theologisch vertritt sie, wie andere evangelikale Sekten auch, eine dogmatische Auslegung der Bibel, geprägt etwa durch Homophobie und antifeministische Positionen. Gerade erst gab es den Fall eines zehnjährigen brasilianischen Mädchens, das nach jahrelangem Missbrauch schwanger wurde. Evangelikale setzten die Betroffene, ihre Familie und verschiedene medizinische Einrichtungen massiv unter Druck, um eine Abtreibung unmöglich zu machen. Nur in einer über 1000 km entfernten Klinik konnte diese dann mit Unterstützung von feministischen Gruppen durchgeführt werden. Ein Frauenforum aus Pernambuco versammelte sich mit 50 Frauen vor der Klinik: «Das Leben dieses vergewaltigten Mädchens ist für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung. Legale Abtreibung ist ein Recht. (…) Wir werden das Leben eines 10-jährigen Mädchens nicht aufgeben. Zwangsschwangerschaft ist Folter. Eine Schwangerschaft mit zehn Jahren ist der Tod.». (1)

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Yalla, Migrantifa!

Thema–Organisierte migrantische Gegenwehr aus den Berliner Kiezen in Zeiten des Rechtsrucks. Ein Plumpe-Interview mit Leila:

Warum eigentlich Migrantifa?

Migrantifa hat sich unter anderem als Reaktion auf die Terrorattacke in Hanau gegründet. Die Notwendigkeit für antifaschistische migrantische Selbstorganisierung war natürlich davor auch schon da, aber das Ereignis war nochmal ein Katalysator für das bundesweite zusammenfinden.
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