Die Anfänge des proletarischen Sports

Die ehemaligen Hertha BSC Sportstätte «Plumpe» aus «Die Fussball-Woche» (1928)

Sport und Kultur Viele Sportstätten und Vereine haben eine lange Traditionen in Berliner Kiezen. Fussball als Massensport z.B. war und ist ein gesellschaftlicher Bereich, der weiterhin eine starke Anziehung auf viele Menschen hat. Kein Wunder also, dass auch politische Ideen im Sport auf verschiedene Art und Weise ihren Ausdruck fanden.

Mit der Entstehung der organisierten Arbeiter*innenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete sich auch eine proletarische Sportbewegung heraus. Die sogenannten Sozialistengesetzen (1879 – 1890) unter der Reichskanzlerschaft Otto von Bismarcks wirkten sich auf sozialdemokratisch gesinnte Sportler*innen aus, die aus dem bürgerlichen Deutschen Turnerbund (TB) oft ausgeschlossen wurden. Erst nach dem Fall der Sondergesetze konnten Sozialist*innen eigene Sportvereine und -bünde gründen, wie 1893 den Arbeiter-Turnbund (ATB) in Gera in Thüringen. Die staatliche Repression gegen die Arbeitersportbewegung, die als Gegenströmung zum Patriotismus betrachtet wurde, hielt weiter an. Dennoch bekamen proletarische Vereine immer mehr Zulauf durch klassenbewußte sportbegeisterte Arbeiter*innen.

1919 entstand aus dem ATB der weiterhin sozialdemokratisch dominierte ATSB, der Arbeiter-Turn- und Sportbund. Die ideologischen Flügelkämpfe innerhalb des Proletariats spiegelten sich auch im ATSB wider. Der 16. Bundestag des ATSB in Leipzig Ende Juni 1928 stand ganz im Zeichen der bevorstehenden Spaltung. Die Beziehungen zur KPD wurden abgebrochen, ausgeschlossene Mitglieder und Vereine gründeten Ende Mai 1929 die «Interessengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport» (IG), die den Sportbetrieb der kommunistischen Mitglieder aufrechterhalten sollte. Im Dezember 1930 wurde diese in «Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit» (KG) umbenannt. Die an die KPD angelehnte KG schloss sich der Roten Sportinternationale (RSI) an und organisierte 1931 die 2. Internationale Spartakiade der RSI in Berlin. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein Fichte Berlin war der größte und wettkampfstärkste Sportverein der KG. Am 2. Mai 1933 wurde der Verein durch die Nazis im Zuge der sogenannten Reichstagsbrandverordnung geschlossen. Auch heute existieren noch Vereine, die ihre Ursprünge in der Arbeiter*innensportbewegung haben – wie der SV Sparta Lichtenberg 1911 zum Beispiel. Vielen in den Klubs ist die proletarische Herkunft ihres Vereins unbekannt, zum Teil liegt diese durch Fusionen, Aufösungen und Neugründungen sprichwörtlich im Verborgenen.

Proletarische Sportvereine und Frauen

Auch wenn die Arbeiter*innensportbewegung im Gegensatz zu bürgerlichen oder reaktionären Vereinen und Verbänden progressiv ausgerichtet war, stand auch im Arbeitersport zunächst die Ertüchtigung des männlichen Körpers im Fokus. Der Frauenanteil war gering. Erst in den 1920er Jahren bildeten sich vereinzelt Frauenabteilungen in Arbeiterturn- und Sportvereinen, absolute Ausnahmen waren proletarische Turnvereine ohne männliche Mitglieder. Verstärkten Zuspruch von Frauen erhielt der Arbeiter*innensport erst, als neue Sportarten wie Ballspiele, Gymnastik oder Schwimmen in das Programm aufgenommen wurden. 1931 kam beispielsweise die RSI auf ihrem Plenum zum Schluss, dass «die Einbeziehung der Frauen in die proletarische Sportbewegung von entscheidender Bedeutung zur Stärkung ihrer Kampfkraft» sei. Eine Konferenz zum Frauensport hat die RSI indes nie durchgeführt. Sie richtete im Gegensatz zur linkssozialdemokratisch orientierten «Sozialistischen Arbeitersport-Internationale» (SASI) auch keine Frauenkommission ein. Wenig überraschendes Fazit: Geländegewinne gab es für Frauen in den Sportmilieus der Linken auch erst nach zähem Ringen.

Ein Artikel von Oliver Rast, erschienen in der Plumpe #2 (April 2019)