Die PLUMPE ist als Ausgabe #4 erschienen!

Warum Plumpe?

«Plumpe» – ein schönes Wort, wie wir finden. Umgangssprachlich wurde früher der Gesundbrunnen, aber auch das alte Hertha-Stadion so genannt. Im alten Berlin meinte es die «Wasserpumpe». Als Teil unserer Berichterstattung über Wedding und Gesundbrunnen wollen wir das Wort Plumpe wieder aufnehmen.

Dritte Ausgabe

Klimawandel, Erderwärmung, Dürre und Überschwemmung – die Nachrichten sind voll mit Debatten rund ums Klima. Wer sich mit diesem Thema im Wedding beschäftigt, wollen wir auf den Themenseiten dieser Ausgabe berichten. Und wir wollen den Blick auch auf viele Alternativen wie einen kostenlosen Nahverkehr richten, über die bisher wenig gesprochen wird.

Dazu gibt es wie immer viele Berichte über Initiativen und Nachbar*innen, Historisches, Kulturelles und Sportliches aus dem Stadtteil.

Die Plumpe ist aus der Einsicht entstanden, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse sich dort am deutlichsten zeigen, wo wir wohnen und leben: Steigende Mieten, Verdrängung, Alltagsrassismus, Druck und Drangsalierungen durch z.B. das Jobcenter, staatliche Überwachung und rechte Hetze gehören auch im Wedding und Gesundbrunnen zum Alltag. Um gegen diese Zustände anzugehen, um sich gemeinsam zu wehren oder sich zu unterstützen, tun sich im Kiez auch immer wieder Menschen zusammen. Wir wollen über die sozialen Kämpfe in unseren Kiezen berichten und euch Nachbar*innen darüber informieren, was nebenan passiert. Wir sind keine Mitglieder irgendwelcher Parteien, noch sitzen wir in irgendwelchen Gremien der Bezirke oder des Berliner Senats. Trotzdem ergreifen wir Partei. Die Texte, die wir veröffentlichen sind vielfältig – genau wie unser Kiez.

Bei euch im Haus, Block oder Kiez tut sich was? Habt ihr euch mit Freund*innen, Nachbar*innen, oder Kolleg*innen zusammengetan und wollt, dass wir darüber berichten? Dann schreibt uns!

post@plumpe.online

Abholen

In den Weddinger Kiezen gibt es einige offizielle Anlaufpunkte um euch euer Exemplar der PLUMPE zu sichern! Hier eine kleine Auflistung:

    • Basta! Die Erwerbsloseninitiative, Schererstr. 8, 13347
    • Café Cralle Frauen*kneipenkollektiv, Hochstädter Straße 10 A
    • EOTO e.V., Togostraße 76, 13351
    • Freie Arbeiterinnen u. Arbeiter-Union, Grüntaler Straße 24, 13357
    • Genossenschaftsprojekt Prinzenallee 58, 13359
    • Demokratie in der Mitte, Osloer Str. 12/2, 13359 
    • Kiezhaus Agnes Reinhold, Afrikanische Str. 74, 13351
    • Küche für Alle – jeder erste Mo. im Monat , Groninger Str. 50, 13347

Jenseits davon findet ihr die aktuelle Ausgabe in dem ein oder anderen Café, Imbiss oder Spätkauf zwischen Amrumer Straße., Leopoldplatz, Nauener Platz, Badstraße und Brunnenviertel wieder, einfach die Augen offen halten!

#4 – Ausgabe (02/2020)

Die komplette Ausgabe im PDF Format.

Widerstand im Wedding – Nazis fiel es lange schwer, im Wedding Fuß zu fassen

Der 1. Mai 1930 in der Kösliner Straße im Wedding

Der 11. Februar 1927 sollte für die NSDAP eine erste Machtdemonstration in der «Reichshauptstadt» werden. Joseph Goebbels hatte sich für eine Kundgebung angekündigt. In den Pharussälen am Leopoldplatz, einem zentralen Versammlungsort der Berliner Arbeiter*innenbewegung, wollten die Faschisten aufmarschieren. Den Weddinger*innen ist es zu verdanken, dass die Veranstaltung letztlich kaum für die Propaganda der Nazis geeignet war. Statt einer Kundgebung und Machtdemonstration mitten im Herzen des Roten Weddings wurde den Faschisten ein proletarischer Platzverweis erteilt. Mit Stuhl- und Tischbeinen bewaffnet lieferten sich die Arbeiter*innen eine Saalschlacht mit der SA. In den umliegenden Straßen wurden Nazis verprügelt. Es sollte für geraume Zeit der letzte öffentliche Auftritt der SA im Wedding sein.
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Apotheken unter Druck

Themen–Immer mehr Apotheken müssen schließen, weil Mieten 
und Billigkonkurrenz die Umsätze auffressen.

Die Apotheke – sie findet sich noch in allen Ecken der Stadt, doch wird das auch in Zukunft so bleiben? Auch bei uns im Gesundbrunnen sind die Auswirkungen des Apothekensterbens langsam sichtbar. Allein 100 Apotheken verlor Berlin in den letzten 10 Jahren schildert Bernhard Doege, Apotheker in der Schinkel-Apotheke am U-Bhf Pankstraße. Ein deutliches Alarmsignal, auch wenn in unserem Bezirk weiterhin eine ausreichende Versorgung sichergestellt ist.

Dass alle 38 Stunden in Deutschland eine Apotheke schließen muss, hat auch ökonomische Aspekte. In den Städten steigen die Mietpreise für Gewerberäume enorm und auf dem Land reichen die gesetzlich festgelegten Honorare, welche von den Krankenkassen pro verkauftem Medikament gezahlt werden, nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Die immensen Einkaufspreise neuer Präparate bringen die Apotheken ebenfalls in Bedrängnis. Denn sie müssen den Preis vorstrecken, auch wenn nur ein vergleichsweise geringer Gewinn dabei herausspringt. Neuerdings spielt die Konkurrenz aus dem Internet eine große Rolle, denn viele Nebenverdienste, wie Kosmetikartikel oder Bonbons werden dort wesentlich günstiger angeboten.

Die sogenannte pharmazeutische Betreuung können solche Internetapotheken allerdings nicht leisten. «Das Wissen, welche Medikamente unsere Stammkunden nehmen und wie sich diese mit anderen Medikamenten vertragen, ist sehr wichtig. Da können wir gut persönlich beraten, um Fehler zu vermeiden.», so Doege und weiter: «Leider werden die handwerklichen Tätigkeiten, wie Salben, Kapseln oder Hustensaft herstellen, heutzutage kaum noch gebraucht. Da hat sich der Schwerpunkt in 40 Jahren Arbeitsleben schon stark verschoben.» Dennoch bleibt die Arbeit in den Kiez-Apotheken eine Herausforderung, denn im Gesundbrunnen mit seinen Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen und mit den verschiedensten Sprachen hat immer irgendwer ein Weh-Wehchen.

Ein Beitrag der Redaktion, erschienen in der Plumpe #3 (September 2019)